Wäsche

Posted by tasch_s Category: Gesundheit

Meine Kindheit verbrachte ich zum größten Teil bei meinen Großeltern. Sie waren wunderbare Menschen, bescheiden und liebevoll lebten sie ihren Alltag in Glückseligkeit. Hinter dem Haus gab es einen großen Garten am Hang. Dort bauten sie Gemüse an, beschnitten Obstbäume oder pflegten ihre Kräuter. Inmitten des Grüns unter einem Apfelbaum, stand eine kleine Bank. Opa saß dort sehr oft, während ich spielte und sah zur Wäsche auf der Leine. Dies konnte sich über Stunden hinziehen. Als ich ihn fragte, warum er hier sitzt, antwortete er mir:

Ich schaue der Wäsche beim Trocknen zu!

Erst heute verstehe ich, wie wunderbar diese Worte sind. Wie wertvoll diese Eigenschaft ist, im Moment sein zu können. Wenn ich an meine Vergangenheit denke, fallen mir sehr viele dieser Situationen ein. Opa saß mit mir auf dem Stuhl und wir schauten uns das Buch „Dinge, die es gibt“ an. Bilder von Baggern, Autos und Tieren. Niemand störte uns, wir waren ganz in diesem Buch vertieft. Oft spielte er mir Geige vor, wir rechneten Zahlen zusammen, tippten auf der Schreibmaschine einen Brief  oder saßen in der Fensterbank, um Autos nach Farben zu zählen.

Meine Oma stand meist am Herd. Mit ihrer blauen Kittelschürze kochte sie ihre unerreichte Rindfleischsuppe. Sie tat dies voller Hingabe. Das Gemüse wurde in identisch große Stückchen geschnitten, der Nudelteig ausgerollt und zum Trocknen im Schlafzimmer aufgehangen. Später schnitt Oma millimetergenau die Nudeln zurecht. Das Zubereiten der Suppe konnte schon mal einen Tag lang dauern. Um 16.00 Uhr war Kaffeezeit. Wir saßen beisammen, ich trank einen Kakao, meine Großeltern genossen ihren Kaffee. Ich höre noch heute das monotone Geräusch der Pendeluhr, die  um 17.00 Uhr den Abend einläutete.

Wenn ich in die Vergangenheit schaue, frage ich mich, was passiert ist. Diese Situationen wird es heute so nicht mehr geben, denn unser Alltag ist prall gefüllt von Ablenkung. Werbeschilder, PopUps und Whats App Nachrichten, Kaffee ToGo, Schrittzähler, Fernseher in Schlafzimmer, Computerspiele etc. Unser Geist ist permanent am hin und her springen, keiner kann mehr klare Gedanken fassen, sich Zeit für etwas nehmen, sich auf eine Sache konzentrieren.

Während früher die Menschen sich noch 30 Minuten mit einer Sache beschäftigen konnten, liegt unsere Aufmerksamkeit heute bei 3 Minuten.

Und das ist schon viel. Lasst heute jemanden mal drei Minuten ein Bild betrachten… Neulich sagte mir eine Kollegin, dass sie multitaskingfähig ist und es ihr überhaupt nichts ausmache, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Während sie voller Überzeugung diese Worte sprach, schaute sie auf ihr Handy und hörte auch gar nicht mehr zu, als ich antwortete. Die Lüge des Multitaskings hat uns alle krank gemacht. Unser Gehirn ist gar nicht dafür geschaffen. Wenn ihr anderer Meinung seid, setzt euch bitte auf einen Stuhl, malt ein Bild und addiert mehrere Zahlen. Was dabei heraus kommt, könnt ihr euch vorstellen. Wann hat dieser ganze Irrsinn eigentlich angefangen? Als die ersten Fernseher aufkamen, gab es meistens nur ein paar Programme. Diese sendeten für wenige Stunden, dann war Testbild angesagt. Später wurden es immer mehr, bis wir heute irgendwo bei mehr 1000 Sendern angelangt sind. Irgendwann kam jemand auf die Idee, Werbepausen in Filme einzubauen. Als das nicht mehr ausreichte, wurde product placement in die Filme unterschwellig eingeführt. Schauen Sie sich bitte mal einen Film aus den 80ern an. Dort gibt es Dialoge von bis zu 10 Minuten, ohne nur einen Schnitt zu verwenden.

Wenn man heute einen Actionfilm im Kino schaut, kann man froh sein, keinen epileptischen Anfall zu bekommen.

Mittlerweile läuft in jedem Zimmer ein Fernseher nebenher. Belangloses Zeug gibt es genug. Hauptsache Ablenkung. Das größte Problem sind jedoch unsere Smartphones. Sie bieten unserem Gehirn permanentes Abdriften aus dem Jetzt. Im Bus klotzen unsere Kinder im Minutentakt auf das kleine Display, hören gleichzeitig Musik und telefonieren. Was niemand versteht, wir programmieren dadurch über die Jahre unser Gehirn auf Ablenkung. Unser Geist springt wie ein Floh von einer Ecke zur anderen.Man ist nicht mehr bei sich.

Noch vor einem Jahr war ich genau so ein Kandidat. Permanent auf Abruf, immer neue Projekte, telefonieren, chatten, surfen, nebenbei essen, Kaffee reinschütten. Nichts wirklich richtig machen, immer alles gleichzeitig. Wenn es dann mal ruhige Momente gab, war mein Kopf schon wieder im Morgen oder im Gestern.  Zum Glück sagte mir mein Körper irgendwann auf liebevolle Weise „So nicht!“

Die gute Nachricht. Es gibt einen Weg da raus. Mit Achtsamkeit!

Ich werde zu diesem Thema nochmal eine extra Blog verfassen. Doch zusammenfassend gibt es ein sehr schönes Video von Peter Beer, das mir viele Dinge vor Augen geführt hat. Bitte einmal in Ruhe und ohne Ablenkung ansehen!

Für alle denen das Wort Achtsamkeit zu esoterisch klingt, könnte man das ganze auch „bei der Sache bleiben“ nennen. Eine Eigenschaft, die wir auf Kindesbeinen noch konnten, doch über die Jahre hinweg verlernt haben. Deshalb halte ich es nicht für sinnvoll, Kinder mit Smartphones und Tablets auf Ablenkung zu trimmen.

Achtsamkeit ist so etwas wie, „der Wäsche beim Trocknen zu zu schauen“ oder meditieren oder einfach nur spazieren gehen. Es dauert eine Zeit bis sich unser Gehirn wieder umstellt, jedoch ist der Effekt überragen. Ihr habt viel mehr Energie, könnt wieder schlafen, seid  gelassener und schafft euch einen Ausgleich zum Alltag. Auch körperliche Probleme können einfach so verschwinden. Ich spreche aus eigener Erfahrung.

2 thoughts on “Wäsche

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