Superfood

Posted by tasch_s Category: Gesundheit

Ja, auch ich habe jeden Ernährungstrend mitgemacht. Ja auch ich war mal Veganer. Das Dilemma nach 2 Jahren: B12 Spiegel im Keller, Eisenwerte im Keller, Laune im Keller. Aufmerksam geworden bin ich, wie sicher etliche neben mir, durch einen porschefahrenden Pizzasohn. Sein Kochbuch „Vegan for Fun“ versprach mir ein neues Lebensgefühl, alle Krankheiten sollten schon nach ein paar Monaten verschwunden sein. TOP! Also 25 Euro der Buchverkäuferin in die Hand gedrückt und mit dem frisch gedruckten Exemplar schnurstracks nach Hause geradelt.

Der Prolog setzte mich davon in Kenntnis, wie wichtig es doch sei, eine vegane Ernährung zu praktizieren.

Darauf folgten viele schön illustrierte Rezepte mit Zutaten, die ich in meinem Leben noch nie gehört hatte: Chiasamen, Hanfsamen, Amaranth, Goji Beeren, Quinoa, Beluga Linsen, Tofu, Bulgur. Diese sollte man laut Buchautor im BIO Markt kaufen! Also nochmal losgeradelt und für 230 Euro eingekauft. Was kostet das Leben? Am Abend stand ich mit meiner neuen  Kochschürze (die gab es zum Kochbuch dazu) in meiner geliebten Küche und versuchte die Tofu Patties für den Veganburger zum Halten zu bringen. Aber das Zeugs bröselte immer wieder auseinander. Dabei sollte doch das Johannisbrotkernmehl die Sojapampe binden . „Hau doch ein Ei dran“ flüsterte mir meine böse, innere Stimme zu. „Nein ich jetzt bin Veganer. Da werde ich bestimmt nicht schon am ersten Tag aufgeben.

Nach einer halben Stunde schweißtreibender Arbeit stand das Ergebnis vor mir. DER VEGANBURGER.

Ein bröseliger, halb verbrannter Soja Pattie mit Avocadochreme beschmiert, wurde würdevoll von einem labberigen Burgerbrötchen getragen. Das i-Tüpfelchen: zwei Kartoffelchips badeten in der Avocadochreme.

Was hätte meine Oma wohl zu diesem Ergebnis gesagt?

Meine Oma war eine liebevolle Frau. Soweit ich mich erinnern kann, stand sie immer am Herd und kochte. Mit blauer Kittelschürze verbrachte sie viel Zeit damit, das selbst angebaute Gemüse schmackhaft zuzubereiten. Dazu gab es ein Stück Fleisch von Onkel Arno, manchmal auch zwei Eier vom Nachbarnshuhn. Freitags gab es Fisch und samstags Eintopf. Die Grundlage bildeten immer Kartoffeln. Der Duft ihrer Küche hängt mir noch heute in meiner Nase. „Essen braucht Zeit!“ erklärte mir Oma. Und „Auf die Zutaten kommt es an!“ Hätte ich ihr Attilas Kochbuch in die Hände gedrückt hätte sie wahrscheinlich gesagt: „Du Bangel loopt jädn Trend hingerhaa.“ Dann hätte ich meinen Veganburger in die Tonne geschmissen und mir ein Spiegelei gemacht. Mit Bratkartoffeln und jeder Menge Speck. So musste mein geschundener Körper 2 Jahre lang veganes Essen erfahren.

Heute habe ich ein gewaltiges Problem mit diesen ganzen „Superfoods, Healthy Trends und Ernährungskonzepten.

Warum müssen wir Avocados aus Mexico importieren. Warum Chiasamen aus Australien, warum Quinoa aus Bolivien. Da kommen ganz schnell mal 10000 Kilometer Transportweg auf den Teller. Warum sollten wird dafür auf das hochwertigste Protein verzichten. Es muss ja keine Massentierhaltung sein. Unser Körper kann ein saftiges BIO Steak sicher besser verarbeiten, wie Chiasamen. Gleiches gilt für Gemüse. Seitdem ich meinem Garten habe, weiß ich die regionale Vielfalt zu schätzen. Das Jahr über gibt es Salat, Zucchini, Blaukohl, Weißkohl, Fenchel, Bohnen, Erbsen, rote Beete, Sellerie, Brokkoli, Blumenkohl. uvm. Dazu ein Stück BIO Fleisch oder Fisch, jede Menge Eier und natürlich Kartoffeln. Dann ist der Körper zufrieden.

https://youtu.be/508nsIixQS8

Ein Rezept aus dem Kochbuch mache ich jedoch immer mal wieder gern: Linsensuppe. Da haue ich dann aber eine Schwartenwurst von Onkel Arno dran. Muss ja keiner wissen 😉

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