Stillsitzen!

Posted by tasch_s Category: Laufen

Was habe ich diesen Satz schon gehört. “Jetzt sitze doch mal still!” Von meinen Eltern, meinen Freunden und meinen Bandkollegen. Ok ich muss zugeben, dass die Ruhe nicht zu meinen größten Stärken gehört. Mein Kopf läuft permanent auf Hochtouren, einer hat da im Schaltschrank wohl ein paar Kabel vertauscht. Im jungen Alter ist das erst mal nichts Schlechtes, die Turbine in meinem Kopf hat meine Projekte vorangetrieben. War eine Idee geboren, musste sie umgesetzt werden. Sofort! Dadurch sind viele schöne Sachen entstanden: Bücher, Konzerte, Akustikabend uvm.

Der ganze Gedankenfasching ging jedoch irgendwann nach hinten los.

Mit 40 war mein Kopf so programmiert, das ich nicht mehr zur Ruhe kam. Meine Gedanken hatten sich verselbständigt. Sie kreisten über mir wie eine Vogelschar, begleiteten mich immer und überall hin. Nachts lag ich im Bett und schrieb gedanklich mein Buch weiter, sammelte Ideen für das nächste Konzert, plante den Einkauf für das Mittagessen oder ließ die Arbeit Revue passieren. Spätestens wenn man gar nicht mehr schläft, sollte man sich Gedanken machen. Eher gesagt keine Gedanken mehr machen. Zur Ruhe kommen!

Auf der Suche nach der Stille traf ich auf einen Kollegen, der immer eine immense Ruhe ausstrahlt. Nichts konnte ihn aus der Fassung bringen. Ich fragte ihn wie er das macht. Seine Antwort war still und weise:

„Der Königsweg ist die Meditation“.

Meditation?, Schon mal gehört. Hier in der westlichen Welt eher belächelt. Kommt das nicht aus Indien, von den Mönchen? Zum Glück gibt’s ja YouTube, da wird dir das ganze Leben erklärt. Also „Meditation“ in die Suchleiste eingegeben und zuhören. Ich war verwundert, wie viel deutschsprachige Videos es zu diesem Thema gibt. Meistens sieht man Veganer, Aussteiger und Yogis aber  auch Geschäftsmänner und Erfolgscoache, die Meditation empfehlen. Tägliche Mediation von min. 20 Minuten soll meinen Geist in kürzester Zeit zur Ruhe bringen. Das Geheimnis liegt darin, die Gedanken wie Wolken vorbeiziehen zu lassen. Sie nicht unterdrück zu wollen. Sie einfach nur zu beobachten.

„Warum nicht mal ausprobieren?“

Also schnell zu Amazon, einen kleine Budda bestellt. Eine Ecke mit Kissen eingerichtet und den Wecker auf 5.30 Uhr gestellt. Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen, so aufgeregt war ich auf den nächsten Morgen. Schon bald würde sich mein Leben radikal ändern und ich werde Ruhe erfahren. Der Morgengong traf mich mit einem harten Schlag. Ich rannte zu meiner Mediationsecke, zündete eine Kerze und stellte den Timer meines Handys auf 20 Minuten. Nun versuchte ich eine bequeme Sitzposition zu finden. Mein Blick fixierte die lodernde Flamme. “Welche Wolken werden wohl aufziehen?” fragte ich mich. Jedoch zogen keine Wolken auf, dafür ein Orkan:

„Ein neues Buch muss her!“ „Der Akustikabend muss wieder ins Leben gerufen werde!“ „Was koche ich heute Abend?“ „Mal sehen was der Arbeitstag so bringt.“ „Die Küche müsste mal wieder geputzt werden!“ „Ich muss den Klavierstimmer anrufen!“ „Heute Abend mal wieder mit Gabi telefonieren?“ „Wie ging nochmal der Mittelteil der Mondscheinsonate?“ „Wie ist der Pin für mein Handy?“ „Warum schmeckt der Espresso im Büro bei selben Mahlgrad und selber Bohne anders, als Zuhause? Es muss an der Maschine liegen!“

Zeitweise kamen so kuriose Gedanken hoch wie:

„Die Samen von Bohen befinden sich ja in den Schoten. Wo kommen die Samen bei Möhren her?“ „Warum hat Coldplay so geile Akkorde ihren Songs?“ „Mal wieder nach neuer Musik bei Spotify suchen!“

Es nahm kein Ende. Mein Herz fing an zu rasen, mein Rücken tat weh. Ich verkrampfte immer mehr. Dann klingelte mein Handy. Ich hatte es tatsächlich geschafft, 20 min ruhig sitzen zu bleiben. Eine Premiere. Jedoch war ich total im Arsch. In den darauffolgenden Tagen wurde es dann etwas besser. Und nach drei Wochen wurden meine Gedanken tatsächlich weniger. Jedoch stellte sich nun die Müdigkeit ein. Mein Kopf dachte sich:

„Wenn ich hier schon 20min sitzen und an nichts denken muss, dann kann ich auch gleich pennen!“

So sackte ich im Minutentakt zusammen um mich erschrocken wieder aufzurichten. Nach zwei Monaten gab ich auf. Das ist genau ein Jahr her. Nach einem zweiten Versuch schaffte ich es nach und nach meinen Geist zu beruhigen. Doch es gibt auch einen Anderen Weg, für alle die nicht stillsitzen können oder wollen. Diesen Weg habe durch dieses Buch erfahren:

„Laufend gesund: So mobilisieren Sie die heilende Kraft des Körpers Wie Sie Erkrankungen weg-laufen … Erfolgsformel meditatives Laufen.“

Bewegung und Ruhe miteinander kombiniert. Das hörte sich gut an! Der Autor „Ulrich Stunz“ erklärt auf 240 Seiten, welche gesundheitlichen Vorteile das meditative Laufen hat. Dazu bekommt man noch eine Menge wertvoller Ernährungstipps. Zum Glück konnte ich meine Frau auch dafür begeistert und so startete ich im Januar 2018 ich einen neuen Versuch, zur Ruhe zu kommen. Der Anfang war etwas holprig, der Körper musste sich erst mal an die neue Bewegung gewöhnen. Doch mit einem guten Laufplan meiner Yogalehrin in der Tasche (unter dem Text), passierte etwas Wunderbares:

Ich spürte damals zum ersten Mal in meinem Leben einen inneren Frieden!

Die Vogelschar an Gedanken verließ mich. Sie drehten ab. Heute laufe ich jeden zweiten Tag mit einem Puls von 130, federnd neben meiner Frau her. Ich beobachte die Bäume, die Blätter, höre die Geräusche des Waldes und lächle. Nach einer kleinen Steigung laufen wir aus den Wald heraus in die Feldmark. Spätestens an diesem Ort habe ich alles vergessen. Da ist es mir sogar egal, warum der Espresso im Büro bei selben Mahlgrad und selber Bohne anders schmeckt, als Zuhause. Dann bin ich mit mir im Reinen.

Anfänger – Laufplan für 10 Wochen

Hier ist ein sehr schöner Anfänger- Laufplan für 10 Wochen. Mit diesem Plan habe ich gemeinsam mit meiner Frau begonnen. Zu Beginn sucht euch eine schöne gerade Laufstrecke die ca 3-5 Kilometer lang ist, am besten im Wald. Unter den Zeiten gibt es ein Download der Audiodateien. Ladet euch Diese auf euer Handy. Sobald der Gong ertönt, lauft ihr los. Gaaaaanz langsam. So langsam, dass ihr euch noch unterhalten könntet. Sobald der nächste Gong ertönt, geht ihr spazieren. Nach 10 Wochen könnt ihr locker durchlaufen. Viel Spaß!!!

Woche 1
4 mal in der Woche / Im Wechsel 2 Minuten laufen / 2 Minuten gehen / Dauer 15 Minuten
Woche 2
3 mal in der Woche / Im Wechsel 3 Minuten laufen / 2 Minuten gehen / Dauer 15 Minuten
Woche 3
4 mal die Woche / Im Wechsel 3 Minuten laufen / 1 Minuten gehen / Dauer 15 Minuten
Woche 4
3 mal die Woche / Im Wechsel 3 Minuten laufen / 1 Minuten gehen / Dauer 20 Minuten
Woche 5
3 mal die Woche / Im Wechsel 4 Minuten laufen / 1 Minuten gehen / Dauer 20 Minuten
Woche 6
3 mal die Woche / Im Wechsel 5 Minuten laufen / 1 Minuten gehen / Dauer 24 Minuten
Woche 7
3 mal die Woche / Im Wechsel 6 Minuten laufen / 1 Minuten gehen / Dauer 24 Minuten
Woche 8
3 mal die Woche / Im Wechsel 7 Minuten laufen / 1 Minuten gehen / Dauer 30 Minuten
Woche 9
3 mal die Woche / Im Wechsel 14 Minuten laufen / 2 Minuten gehen / Dauer 30 Minuten
Woche 10
Durchlaufen / Dauer 30 Minuten / Signal ertönt bei der Halbzeit 😉

Laufplan incl. Audiodateien zum Download

 

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