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Posted by tasch_s Category: Gesundheit

Achja, dieses geliebte Internet. Immer und überall hat man es bei der Hand. Kaum ist man aus dem Tiefschlaf erwacht, erwarten einen schon die News des Tages direkt auf dem Nachtisch. PANIK!!!

Mein Opa sagte immer „Jeden Tag wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben“

während er seine Zeitung zusammenklappte und den wohlverdienten Mittagsschlaf begann. Opa gehörte noch zu der glücklichen Generation, dessen Gehirn höchstens zehn Informationen am Tag verarbeiten musste. Da war die Meldung „Umgekippter Grabstein in Breitenbach“ schon der Tagesaufreger.  Alles spielte sich im Umkreis von 20 km ab, es gab keine Bilder von Leichen, Vergewaltigungen und Morden. Diese Bilder hatte mein Opa leider schon im Krieg sehen müssen. Er therapierte sich, indem er mir Geschichten vorlas, Geige vorspielte und 100 Zahlen im Kopf addieren, er war immer im Moment in dem was er tat. Nennt man heute: Achtsamkeit!

Noch vor einem Jahr konnte ich nicht mal mehr 5 Zahlen addieren, ohne dass mein Gehirn abschweifte.

Es fiel mir schwer beim Klavierspiel zu bleiben, meistens geb ich genervt auf und setzte mich vor den Computer. Wenn ich mit meiner Tochter ein Spiel spielte, schaute ich andauern bei Facebook rein, wenn ich unterwegs was telefonierte ich mit Freunden. Andauernd poppte eine neue Nachricht auf, eine Meldung in einer WhatsApp Gruppe, eine Bild von einem Umfall, der Spruch des Tages. Ununterbrochen Chaos im Kopf. Was hatte die Welt mit meinem Gehirn gemacht? Auch wenn ich mich mit Freunden traf holte jeder sein Handy aus der Tasche, um mir die schlimmsten Nachrichten des Tages vorzulesen. Danach ein Video vom tanzenden Frosch, ein Gewaltvideo, die neuste Pegida Demo und zur Beruhigung ein Katzenvideo. Selten kam ein Gespräch zustande, denn viertelstündlich verschwand jemand mit seinem Handy auf der Toilette. Nach drei Tassen Kaffee war ich am Ende, Cortisolüberschuß!

Was macht diese Informationsflut mit unserem Gehirn?

Da hat sich leider seit der Steinzeit nicht viel getan. Der Cortex (ein Teil im Gehirn) veranlasst bei Gefahr eine Ausschüttung von Cortisol, ein Stresshormon welches unsere Muskeln in Spannung bringt um den Körper auf Flucht oder Kampf vorbereitet. Ein sinnvolle Sache, wenn es um das Überleben geht. Im Minutentakt macht es jedoch krank. Sehr Krank. Es entsteht chronischer Stress und Schmerzen.

Die gute Nachricht: Wir müssen uns diesen Stress gar nicht aussetzten. Wie das geht? Einfach das Handy ausschalten, keine Zeitung lesen, keine Nachrichten gucken. Dafür lieber ne halbe Stunde an die Wand gucken, Meditieren, Spazieren gehen, meditativ laufen, ein Spiel spielen, Musik hören, Musik machen, im Garten graben. Da gibt es viele Dinge. Dabei das tun, was man tut. Nichts anderes. Muss man üben, ist nicht Einfach. Musste ich auch! Um die Informationen so gering wie möglich zu halten, habe ich mir eine Strategie angeeignet. Ich frage mich immer:

„Ist es jetzt wichtig, jetzt ins Internet zu gehen?“

Bevor ich den Browser aufmache um zu surfen. Die Antwort lautet zu 99 % NEIN! Wenn ich durch die Stadt fahre, versuch ich auf kein Plakat zu schauen, wenn ich mich mit Freunden treffe lasse ich mein Handy zu Hause. Ich schalte nur das Radio an, wenn ich wirklich Musik hören will. Der Fernseher läuft nur, wenn wir einen Film gucken.  Ich habe seit einem Jahr keine Nachrichten gesehen, versuche soziale Netzwerke zu meiden und halte mich von WhatsApp fern. Ich lebe wie mein Opa und mir geht es sehr gut damit.

Mein Cortisolspiegel ist drastisch gefallen (habe ich messen lassen).

Das in der USA jemanden einen Polizist erschießt,  im Kongo ein Virus ausbricht und in Chemnitz eine Pegida Demo stattfindet, ist schlimm. Keine Frage. Doch wir können es leider nicht ändern. Im Gegenteil, diese Informationen machen uns auf Dauer selbst krank und das hilft gar keinen.

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