Angst

Posted by tasch_s Category: Denken

Da saß ich dann doch wieder beim Arzt. Eigentlich hatte ich mir geschworen, diese Etablissements bis auf weiteres zu meiden, jedoch brauchte ich einen Krankenschein. Ich hatte mir einen fiesen Augenherpes eingefangen und konnte weder in einen Computer noch in die Sonne schauen. In den Praxisfluren stapelten sich Menschenmassen. Diese Praxis wirkte auf mich wie ein Lazarett. Krankheit lag in der Luft, grimmige Mienen warteten auf ihre Prophezeiung. Im Fünfminutentakt ging die Tür eines Arztes auf und der nächste Patient wurde hereingerufen. Um mich vom Ganzen abzulenken, begann ich zu meditieren. So gingen die drei Stunden Wartezeit recht schnell vorbei. Gegen Mittag war ich an der Reihe.

Seufzend betrat ich einen dunklen Raum

Von allerlei Apparatschaften eingeschlossen, thronte ein Herr im weißen Kittel neben einem jungen Mädchen, deren Finger schon startbereit auf der Computertastatur lagen. Ohne Begrüßung wurde mir der Stuhl gezeigt, auf dem ich mich nieder ließ. Der Arzt zog sich eine riesige Lupe über den Kopf und stocherte lieblos in meinen Augen umher. „Seit wann haben Sie das?“, fragte er, ohne eine Antwort zu erwarten. Darauf folgten kryptische Anweisungen an das Mädchen, die sofort in den Computer eingetragen wurden.

„Nehmen Sie drei Wochen Aciclovir“ und drei Wochen Antibiotikatropfen für die Augen. Ich schreibe Sie eine Woche krank.“

Augenblicklich fing der Drucker an zu rattern und ich hielt zehn Sekunden später drei Scheine in der Hand. Das sollte sie nun sein, die heilbringende Therapie. Wahrscheinlich ähnlich wie bei den 160 Patienten zuvor. „Aciclolvir vertrage ich nicht,“ erwiderte ich, wissend das mir das Zeug den Magen zerschießt. Onkel Doktor zog sich die Brille vom Kopf, was wohl kein gutes Zeichen war. Widerworte vom Patienten und das kurz vor der Mittagspause.

„Dann werden Sie sterben, das muss man jetzt mal so ganz klar sagen!“

Wir beide schauten uns eine Zeit lang in die Augen. Ich wartete auf ein Zwinkern, ein Lächeln, irgendetwas, das diesen Satz auflöst. Doch da kam nix. Anscheinend meinte er diese Worte ernst. „Von Herpes kann man sterben, das sollten Sie wissen. Ich rate ihnen, die Tabletten zu nehmen.“ Er stand auf und öffnete mir die Tür, während er den nächsten Patienten herein rief.

Hätte er mir vor zwei Jahren diese Sätze an den Kopf gehauen, wäre in mir etwas sehr fieses erwacht. MEINE ANGST. Angst war in meiner depressiven Phase ein treuer Wegbegleiter. Jeden Morgen sobald ich erwachte, erwachte dieses hässliche Gefühl in meiner Brust. Ein Monster, das mich den ganzen Tag verfolgte. Viel schlimmer als Angst selbst, war die Angst vor der Angst. Ich dachte jede Minute daran, wann sie wohl wiederkommt. Es ist eine endlose Spirale nach unten. Geholfen hat mir hier auch wieder die Meditation.

Heute weiß ich, dass Angst ein ganz normales Gefühl ist. Es ist sogar sehr wichtig für uns. Ohne Angst würden wir uns jeder Gefahr achtlos ausliefern. Jedoch muss man lernen, mit seiner Angst umzugehen.

Die Angst hat immer Konjunktur,

hat mein Opa immer gesagt. Bestes Beispiel ist, wie in meinen Fall, das Gesundheitswesen. Jeden Tag werden neue Horrormeldungen über tödlich Keime, Viren und Krankheiten veröffentlicht. Natürlich gibt es auch gleich das passende Gegenmittel dazu. Aber auch in anderen Bereichen wird viel mit der Angst gespielt. Wenn man nicht die richtigen Klamotten trägt, gehört man nicht dazu. Du musst das richtige Handy haben, um Hilfe rufen zu können. Trage die richtigen Schuhe, sonst bekommst du Rückenschmerzen. Wichtig ist ein großes Auto, damit du sicher nach Hause kommst.

Zurück zu meinen Augenarzt. Ich verließ die Praxis und dachte über die Worte des Arztes nach. Wenn ich nun wie der Arzt es prophezeit, sterben sollte, dann kann ich auf ein sehr aufregendes und erfülltes Leben zurück blicken. Ich zerriss mein Rezept und fuhr nach Hause. In den darauffolgenden Wochen ruhte ich mich aus, meditierte, trank Tee anstatt Kaffee und gab meinem Körper Zeit. Außerdem besorgte ich mir die Aminosäure L-Lysin, welche super gegen Herpes hilft. Nach zwei Wochen wurde es besser, nach fünf Wochen war ich wieder voll gesund. Mein Körper hat sich selbst geheilt. Ohne Aciclovir! Ich bin nicht gestorben.

Die Angst krank zu sein, ist tief in uns verankert. Doch mit Geduld kann der Körper Wunder leisten. Also rennt nicht wegen jedem Infekt in die Apotheke, sondern vertraut euren Selbstheilungskräften. Und habt keine Angst, ihr werdet nicht daran sterben…

P.S. Um eure Angst ganz aus dem Kopf zu bekommen, solltet ihr dieses Buch lesen. Es hat meine Einstellung zum Tod und dem Leben im Denken grundlegend verändert. Auf über 500 Seiten erklärt der Autor Sogyal Rinpoche liebevoll, wie man mit dieser Thematik umgehen kann und wie es im Buddhismus gelehrt wird. Über dieses Thema werde ich bestimmt noch einen Blog verfassen.

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